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Gerhard Wiesmeth

Impfungen Pro-Contra

Streitthema Impfungen - Pro & Contra
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Impfungen – Nutzen oder Schaden

Über viele Jahre wurden Impfungen des Hundes als Segen des tiermedizinischen Fortschritts betrachtet, was in einzelnen Punkten auch unbestritten ist. Woher kommt aber nun die Annahme, dass jährliche Impfungen bzw. Auffrischungsimpfungen 100%igen Schutz vor Ansteckungen bieten?
 
Diese jährlichen Impfungen, oft 7-fach von Tierärzten empfohlen, sind weder sinnvoll noch ungefährlich. Auch bei Hunden halten Impfungen bis auf wenige Ausnahmen viele Jahre lang. Das größte Interesse an jährlichen Impfungen haben ganz klar die Hersteller von Impfstoffen sowie Tierärzte. Eine Tierarztpraxis finanziert sich zum größten Teil durch Impfungen, Operationen (Kastration!) und durch den Verkauf von Diätfutter. Zahlreiche Studien haben belegt, dass genau wie bei Kindern die gängigen Impfungen lebenslangen Schutz bieten.

Was passiert bei einer Impfung überhaupt?

Bei einer Impfung werden dem Körper entweder abgetötete oder abgeschwächte Erreger gespritzt (aktive Impfung) oder gleich “fertige” Antikörper (passive Impfung). In jedem Fall soll der Körper Antikörper gegen eine Krankheit bzw. einzelne Erreger produzieren um so den Verlauf einer eventuellen Infektion zu  verhindern oder zumindest abzuschwächen.

Wie viele der Antikörper vorhanden sind und wie lange diese Schutz bieten, lässt sich durch eine Blutuntersuchung, eine so genannte Titerbestimmung nachweisen. Hier kann die Konzentration der Antikörper bestimmt werden und eine ungefähre Schutzdauer wird ersichtlich.

Laut den Ergebnissen neuester Langzeitstudien gilt es als erwiesen, dass durch eine vernünftige Immunisierung des Hundes gegen SHP (Staupe, Hepatits und Parvovirose) und eine Auffrischung 12 Monate später, ein ausreichender Schutz für durchschnittlich 8 Jahre, anzunehmender weise sogar lebenslang gewährleistet ist! Dieses Impfschema der American Animal Hospital Association wurde auf dem diesjährigen Bayrischen Tierärztetag als optimale Lösung vorgestellt und jedem Kleintierpraktiker ans Herz gelegt!

Aber warum sollte man Impfungen überhaupt vermeiden oder zumindest kritisch betrachten?
Die Risiken einer Impfung und mögliche Folgen sind gravierend:

Schwerer Schock unmittelbar nach Impfung, Gesichtödeme, Hauterkrankungen, Juckreiz, Durchfall und/oder Erbrechen, Autoimmunerkrankungen, Lähmungen, Entzündungen des Unterhautfettgewebes bzw der Blutgefäße, Nervenentzündungen, Hirnentzündungen, Impfsarkome (Tumore an der Impfstelle) um nur die wichtigsten zu nennen.

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Impfinformation von Franziska Gruhser, Tierärztin/Problemhundetherapeutin

ein 100 % iger Schutz ist bei keiner Impfung möglich, weder bei uns noch bei Tieren, da sie nicht vor einer Infektion (dem Eindringen von Erregern in den Körper) schützt, wohl aber ist sie die einzige Maßnahme zum Schutz vor einem schweren Ausbruch einer Krankheit.
 
Immer jedoch muss eine Impfung ganz individuell nach Haltungsart, Reisegewohnheiten, Herkunftsland und Status des Tieres entschieden werden, nie pauschal "mal alles impfen"! bes. bei kleinen resp. empfindlichen Rassen sollten die Kombi-Impfstoffe lieber gesplittet und als Monovakzine zeitliche versetzt injiziert werden, um das Risiko von evtl. auftretenden Impfschäden so minimal wie möglich zu halten und trotzdem dem Tier den größtmöglichen Schutz zu bieten und zwar nicht für sein ganzes Leben, sondern aufgrund der Individualität nur für einen best. Zeitraum (1 Jahr z.Bsp.)
 
Hunde werden gegen Erkrankungen geimpft, die entweder tödlich für das Tier wären oder die zoonotisches Potential besitzen
 
Endemien können nur vermieden werden, wenn die Hundepopulation zu 70-80 % durchgeimpft ist, erst dann ist die Immunität ausreichend (deshalb haben so viele ausländische Hunde Leptospirose, Borreliose, Babesiose, Ehrlichiose, etc.), anscheinend sind in Deutschland laut der "Ständigen Impfkommission Veterinär" nur 50% der Hunde geimpft, die Kommission hat dies aus den Zahlen der verkauften Impfdosen errechnet. Deshalb gibt es auch immer wieder mal Ausbrüche von z.Bsp. Staupe oder H.c.c., die leider zu oft tödlich enden.
 
Man unterscheidet je nach Impfwichtigkeit 2 Säulen (deutsche TÄ richten sich nach der Europäischen Impfkommission, da sich die in der EU zugelassenen Vakzinen von denen in den USA (nach der American Animal Hospital Association - AAHA) unterscheiden):

Core-Komponenten (richten sich gegen Erreger, gegen die jedes Tier zu jeder Zeit geschützt sein muss, da sie den Halter gefährden oder für die Hunde selbst lebensgefährlich sind: Staupe, H.c.c., Parvo, Leptospirose, Tollwut)

Non-Core-Komponenten (Erreger, gegen die nur best. Tiere unter best. Umständen, also nur bei wahrscheinl. Exposition, geschützt werden müssen und daher nur nach genauer Abwägung zwischen Notwendigkeit und Risiko injiziert werden sollten: Zwingerhusten, Borreliose)
 
Wichtig zum Verständnis einer "richtigen" Grundimmunisierung ist der Schutz der Welpen durch die maternalen Antikörper, sowie das Auftreten der "immunologischen Lücke" (besser: kritische Phase):
Welpen sind nach Geburt durch die Antikörper des Muttertieres geschützt (Aufnahme über die Plazenta und das Kolostrum), um in den ersten Lebenswochen einen sicheren Schutz vor Infektionen zu erlangen. Dieser "Antikörperbonus" hält jedoch nicht lange an, die Höhe des matenalen Antikörpertiters im Welpen sinkt (je nach Impfstatus der Mutter), sodass etwa in den ersten beiden Lebensmonaten der Welpe nicht mehr ausreichend vor einer Feldvirusinfektion geschützt ist, aber auf der anderen Seite dieser maternale Resttiter noch ausreicht, um bei einer Impfung die Impfantigene sofort zu neutralisieren und als Immunkomplexe aus dem Organismus zu beseitigen.

Demzufolge ist eine aktive Immunisierung erst nach den ersten 2-3 Lebensmonaten möglich, führt allerdings nicht zu einem ausreichenden Schutz, da im Welpen schützende AK-Titer sowie T-Zell-Antworten erst im Laufe einiger Wochen ausgebildet werden. Diese Phase geht also mit erhöhter Infektionsanfälligkeit (Parvovirose!) einher, sodass eine Wiederholungsimpfung nach ca. 4 Wochen unbedingt nötig ist.
 
Grundimmunisierung = Erstimpfung --> Wiederholung nach 4 Wochen --> Booster nach 1 Jahr, erst dann ist die "Grundimmunisierung" abgeschlossen! --> dann individuelle Auffrischungen (s.o.)
 
Zu den einzelnen Impfkomponenten:
 
Staupe, Hepatitis, Parvo:
maximaler Schutz bis 15 Jahre? selbst die AAHA spricht nur von 5-7 Jahren Schutz (Tabelle Canine Vaccination Guidelines for the General Veterinary Practice 2006), sinnvoll wäre sicherlich eine Titerbestimmung, in Deutschland wird SHP nach Grundimmu alle 3 Jahre geimpft
 
Zwingerhusten:
Erreger sind vermutlich 5 Viren- und 2 Bakterienarten. Es handelt sich um eine multifaktorielle Erkrankung, deshalb "Zwingerhustenkomplex"!, eine wirkliche Rolle spielen wohl nur Parainfluenzavirus Typ 2, canines Adenovirus Typ 2 und Bordetella bronchiseptica, der Verlauf kann selbstlimitierend sein, bes. wenn nur 1 Erreger beteiligt ist, dann kann man ihn als "milde" bezeichnen, eine Infektion kann aber insbesondere bei sekundären Komplikationen und bei Zusammenwirken mehrerer Erreger einen fatalen Verlauf nehmen und mit hochgradig gestörtem Allgemeinbefinden, Fieber, schmerzhaftem Husten, Pharyngitis, Tonsillitis, Rhinits, Konjunktivitis und Bronchopneumonie einhergehen.
 
Borreliose:
die Lyme-Borreliose wird durch Borrelia burgdorferi sensu latu verursacht, dieser Bakterienkomplex umfasst weltweit 12 Borrelienspezies, 4 davon kommen in Dtl. vor, davon sind 3 pathogen für den Menschen, 1 davon (B.b.s.strictu) war wohl in Experimenten pathogen für Hunde, sodass beim Hund nur experimentell die akute Arthritis belegt wurde, bei einigen Rassen auch Nierenschädigungen --> es gibt in Deutschland 3 Impfstoffe auf der Basis der "hundepathogenen" B.b.s. strictu - Spezies, aber ein Schutz gegen die anderen Spezies ist nicht geklärt, der Impfschutz ist nur von kurzer Dauer (einige Monate), vor Impfung wäre Labortest empfehlenswert --> besser: Zecken schnell entfernen + Zeckenstichprophylaxe in Form von Repellentien, eine Differenzierung zwischen infizierten, geimpften und u.U. geimpften + infizierten Tieren ist nur mit einzelnen Testverfahren möglich, die Mehrzahl der Methoden erlaubt keine Unterscheidung.

Leptospirose:
hier wird es ein wenig ausführlicher, um die Krankheit, die tödlich sein kann und die vorhandenen Impfungen die es gibt, vorzustellen:
 
Die einzige bakterielle Erkrankung, gegen die geimpft wird, der Impfschutz hält nur ein knappes Jahr an. Zoonose (meldepflichtig, wobei man wissen sollte, dass Menschen sich eher durch Nagerurin und kontaminierte Gewässer/Badeseen anstecken als durch infizierte Hunde), auch als "Stuttgarter Hundeseuche" (Erreger = L. Canicola, Hund = Hauptwirt) oder "Weil'sche Krankheit" (Erreger = L. Icterohaemorrhagiae, Hund = Nebenwirt, Ratte = Hauptwirt) bekannt. Das Fiese an diesen Bakterien ist, dass sie durch ihre "Spirelli" Form aktiv in Hautläsionen und Schleimhäute eindringen können. Am häufigsten findet die Infektion über Wasserkontakt statt: Wenn der Hund sich in kontaminiertem Gewässer suhlt, daraus trinkt oder mit infiziertem Urin in Kontakt kommt (es gibt auch ne Menge anderer Übertragungsmöglichkeiten). Einmal im Blut, richten Leptospiren einigen Schaden an: Sie befallen u.a. Nieren, Leber, Milz, Zentralnervensystem, Augen, Geschlechtstrakt, vermehren sich dort, es kommt zur Entzündung der Organe und zu Gerinnungsstörungen, wobei Junghunde am schwersten erkranken und daran verenden können. Im Großen und Ganzen werden 4 Formen der Leptospirose unterschieden: die latente Form (Hunde scheinen klinisch gesund, tragen aber Erreger in sich und stellen tickende Zeitbomben dar, außerdem scheiden sie infektiösen Urin aus und stellen somit eine Infektionsquelle dar), eine abortive Form (ohne typische Symptome, schwächer als andere), die akute, schwere Form (bis 30 % sterben in den ersten 3 Tagen: Junghunde ohne maternale AK, geschwächte und ungeimpfte Tiere) und die chronische Form (infolge irreversibler Organschäden an Nieren, Leber und Augen). Einmal erkrankt resp. infiziert, ist eine Elimination der Leptospiren kaum möglich! Die Therapie ist nur eine symptomatische und richtet sich je nach Organmanifestation aus. Das Tückische ist, dass sich die Erreger in best. Gewebe zurückziehen können (Augen Feten, Nieren), wo sie vom körpereigenen Abwehrsystem nicht mehr erkannt werden, geschweige denn für Antibiotika angreifbar sind. Die Antibiotika müssen über mehrere Wochen gegeben werden und bestehen aus 2 Behandlungsphasen, die zum einen anfangs 2-3x täglich intravenöse Injektionen erfordern, zum anderen nicht nebenwirkungsfrei sind und den Hund zusätzlich "schlauchen".

Es gibt mehr als 200 verschiedene Serovare, wobei die krankmachende Wirkung bei den meisten nicht bekannt ist. In Europa werden inaktivierte Impfstoffe gegen eine Infektion mit den Serovaren Leptospira Icterohaemorrhagiae und L. Canicola verwendet, welche hierzulande nur noch relativ selten in erkrankten Hunden gefunden werden, die Impfungen haben somit in den vergangenen Jahrzehnten das Vorkommen der Leptospirose reduziert, doch schützt diese Vakzine nicht vor den Serovaren, die zur Zeit die meisten Infektionen verursachen. In den USA gibt es bereits Impfstoffe, die 2 andere Serovare enthalten, in Europa ist er noch nicht erhältlich. Die Impfkommissionen in Europa sehen dennoch die Impfung als notwendig an, um einer Epidemie vorzubeugen, vor allem im Rahmen der Globalisierung (ausländische Hunde in deutschen Tierheimen, Urlaubsmitbringsel, "Tierschützer", die Hunde aus dem Ausland mitbringen etc. stellen nach wie vor ein hohes Infektionsrisiko dar!!).

Tollwut:
Das Virus wird durch den Biss eines infizierten Tieres mit dem Speichel übertragen und wandert entlang der Nerven über das Rückenmark ins Gehirn, wo es sich vermehrt und die typischen Symptome erzeugt. Je nach Bisslokalisation zeigt das Individuum die klinischen Symptome früher oder später und verendet ca. 2-14 Tage nach dem ersten Auftreten von Symptomen.

Impfung nach Grundimmunisierung muss in Deutschland noch alle 3 Jahre aufgefrischt werden. Bestimmte Länder fordern für die Einfuhr eine jährliche Impfung, weil eben da noch Tollwut weit verbreitet ist - bei Urlaubsreisen daran denken! Titerbestimmung  wäre hier sinnvoll. Zoonose, anzeigepflichtig. Immer tödlich, laut Tollwut-Verordnung wird ein geimpftes Tier nach Kontakt mit einem tollwutverdächtigen Tier unter Quarantäne gestellt und beobachtet, es besteht ein BehandlungsVERBOT für infizierte Tiere und ein EuthanasieGEBOT aller ungeimpften Tiere, die mit dem infizierten/verdächtigen Tier in Kontakt gewesen sind!
 
Deutschland - tollwutfrei? Hier muss man unterscheiden, was genau "tollwutfrei" bedeutet: Seit 2006 ist in Deutschland kein Fall mehr bei einem Wildtier, Haustier oder Menschen aufgetreten (ausgenommen Fledermäuse), damit sind für die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) die Kriterien für "Tollwutfreiheit" erfüllt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat deutlich strengere Vorgaben definiert: Nämlich die "Freiheit von jeglichen Tollwutviren". Da es 2007 noch 6 Fälle von Fledermaustollwut (EBLV-Viren) gab, gilt Dtl. eben noch nicht als tollwutfrei. Dies trifft auch auf die meisten anderen europäischen Länder zu. Zwar ist die Infektionsgefahr für Säugetier und Mensch eher gering, denn europäische Fledermäuse fressen Insekten, sind keine Vampire wie die südamerikanischen Arten. Aber Einzelfälle - etwa die Übertragung der Fledermaustollwut auf einen Steinmarder in Dtl. auf Schafe in Dänemark, eine Katze in Frankreich - zeigen, dass dies möglich ist. In Schottland verstarb ein Fledermausforscher an der Fledermaustollwut. Die herkömmlichen Impfungen schützen allerdings auch zuverlässig gegen EBLV-Viren.
 
Besonders in den östlichen Nachbarländern ist die Wild- und Haustiertollwut nach wie vor verbreitet und kann Deutschland auf dem Landweg erreichen. Unter dem Aspekt, dass Tollwut für alle ungeimpften Individuen in jedem Fall ausnahmslos zum Tod führt, ob nach Infektion mit dem Erreger (oder nach Kontakt mit einem verdächtigen Tier durch den Amtsveterinär), stellt die Impfung den einzigen Schutz dar!

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